Kommunikation als Kernkompetenz

Zur Diskussionskultur in der Kerntechnik. Ein Essay von Dr. Anna Veronika Wendland.

Die deutsche Kernenergie ist nicht an ihrer technischen Unzulänglichkeit gescheitert, sondern unter anderem an der Kommunikationsblockade zwischen Experten und Bevölkerung. Denn gelingende Kommunikation ist ein wichtiger Faktor bei der Erringung von Akzeptanz und Diskurshoheit. Leider ist die Kontroverse um die Kernenergie in der Vergangenheit eher als Krieg statt als sachlich-kritische Diskussion geführt worden. Doch heute stellt sich die Frage, ob sich angesichts wachsender Zweifel am Gelingen der »Energiewende« nicht wieder ein Fenster für eine Neuaufnahme der Diskussion öffnet. Wie könnte diese Diskussion von Kernkraft-Befürwortern in Zukunft geführt werden? Einige Beobachtungen und Vorschläge.

Ein Blick von außen

Ich bewege mich als Forscherin nun seit ungefähr drei Jahren in der Kernenergiewirtschaft verschiedener Länder. Ich bin selbst gelernte Historikerin und Politologin, aber die Begeisterung für Naturwissenschaften und Technik begleitet mich seit Kindheitstagen. Und ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die Beruf und Begeisterung in einem großen Projekt verbinden können.

Mein Forschungsprojekt ist eine soziotechnische Geschichte der Kernenergie in Osteuropa, die mich aus Gründen der Komparatistik auch an zwei deutsche Standorte geführt hat. Ich habe einige Monate als »Teilnehmende Beobachterin« in Kernkraftwerken gearbeitet und mich auf diese Einsätze sehr lange vorbereitet. Ich bin also keine kerntechnische Expertin, sondern eine kerntechnisch informierte Wissenschaftlerin einer nichttechnischen Disziplin. Ich schaue aus einer Außenperspektive auf die Kernenergie – aus der Perspektive der “Science, Technology & Society Studies” (STS), einer jüngeren Strömung der Technikgeschichte, die versucht, soziotechnische Systeme zu erforschen und zu beschreiben, welche erst im Zusammenwirken von Menschen und Maschinen, von Gesellschaft, Technik und politischen Regimes realisiert werden.

Mich beschäftigt daher auch seit langem die Frage, warum in unterschiedlichen Gesellschaften die Akzeptanz der Kernenergie so unterschiedlich ist, und welche Faktoren für Akzeptanz sorgen. Einer ist sicherlich ein sozialer. Ich habe in Osteuropa erlebt, wie stark die Kernkraftwerke sozial und infrastrukturell mit ihrer Region verflochten sind; dort gibt es Kerntechniker-Werksstädte und nukleare Fernwärmesysteme; die Kraftwerke produzieren nicht nur Strom und Wärme, sondern auch soziale Identitäten. In der Regel engagieren sich die KKW sichtbar in ihrer Region, im Schulwesen, in sozialen Projekten und im Sport. Sie legen sehr viel Wert auf Öffentlichkeitsarbeit und gut gemachte, täglich aktuelle Webseiten. Viel von diesem Engagement ist sozialistisches Erbe und wird womöglich zukünftigen Rationalisierungen zum Opfer fallen; aber wie immer man dazu steht, es sorgt für eine hohe Akzeptanz der Industrie in der Bevölkerung.

Akzeptanz und Diskurs

Bei uns hingegen gibt es ein Akzeptanzproblem fast seit der Bauzeit unserer Kernkraftwerke. Anders als in anderen Ländern beobachten wir hier die allmähliche Übernahme der »Diskurshegemonie« durch die Kernkraftgegner, die, anders als in anderen Ländern, auch Zulauf aus ursprünglich technologieaffinen Milieus wie der Linken bekamen. Mit dem kulturwissenschaftlichen Fachbegriff der Diskurshoheit ist gemeint, dass bestimmte Gruppen in einer Gesellschaft bestimmen können, was »sagbar« ist und was nicht, und die ihre Sicht der Dinge zur Konvention machen, die niemand mehr hinterfragt.

Wie das funktioniert, das kann man in der Medienberichterstattung in unserem Land leicht herausfinden: ein Beitrag zu einem Thema der Kernenergie kommt heute in Deutschland in den seltensten Fällen ohne eine vorgeschaltete Verwerflichkeitspräambel aus. Fast undenkbar sind Berichte wie jener jüngst von der BBC produzierte über die Schließung des britischen Magnox-KKW Wylfa: sachlich, nüchtern, mit einem wachen Auge für die Menschen, die in diesem Kraftwerk vier Jahrzehnte lang gearbeitet haben, geschrieben mit Empathie, aber ohne Anbiederung oder Voyeurismus. Ich habe, beispielsweise bei der Stilllegung des KKW Grafenrheinfeld, nichts von vergleichbarer Qualität in deutscher Sprache gefunden.

Kommunikationsblockaden

Gleichzeitig stelle ich eine fast totale Sprachlosigkeit zwischen kernenergiebefürwortenden Experten und Praktikern auf der einen Seite und Kernkraftkritikern oder auch nur nach Informationen suchenden besorgten Laien fest. »Besorgnis« ist in der aus historischen Gründen sehr sicherheitsbedürftigen deutschen Gesellschaft ein Hauptmotor politischer Mobilisierung. Ob Kernenergie oder Flüchtlingsproblematik – in der Regel steht hinter der offen artikulierten Sorge eine tiefere Angst um die eigene soziale Existenz. Dieses Gefühl der Verunsicherung ist, ob man es für rational hält oder nicht, zunächst einmal ernst zu nehmen. In einem zweiten Schrittt ist dann zu fragen, warum unsere Gesellschaft bestimmte andere Risiken akzeptiert, obwohl diese zu mehr Sorge Anlass geben müssten als die Kerntechnik.

Bei den Diskussionen in thematischen Foren – auch in jenen der Kernkraftbefürworter – fällt mir immer wieder auf, dass die Kommunikation scheitert. Fachleute fahren aus der Haut angesichts blöder Fragen, »Schrottreaktor«-Invektiven, Horrorszenarien von »Millionen Atomtoten« und Unterstellungen, man sei ein »bezahlter Schreiberling der Atomlobby« – letzteres sind frisch geerntete Zitate von der Facebookseite »Stop Tihange« aus den vergangenen Tagen. Ich kann die Empörung und Ungeduld der Experten nachvollziehen – ich selbst wurde aufgrund meines eher polemischen Temperaments von derselben Seite verbannt, weil ich mir erlaubt hatte, eine dumme und unsachliche Äußerung sarkastisch zu kommentieren. Engagierte Kernkraftgegner sind zwar gut im Austeilen, aber hochempfindlich gegenüber Ironie, die sie als Hochmut der Experten empfinden. Das weiß ich noch aus meiner eigenen Zeit bei der Antiatombewegung, der ich mich später entfremdet habe.

Wie diskutieren?

»Wenn du die Wahl hast zwischen höflich bleiben und recht behalten, wähle die Höflichkeit«, an diese Devise haben sich in derselben Diskussion Lucas Jan Lischka und Rainer Klute gehalten und engelsgeduldig und faktengesättigt weiterdiskutiert, gemäß der Erkenntnis, dass Menschen mit einer positiven Emotion im Herzen eher bereit sind, einem Argument zu folgen, als wenn sie kurz davor die Erfahrung der Zurückweisung oder Abwertung gemacht haben. Ihre Beiträge blieben länger stehen und wurden hoffentlich gelesen – bis auch sie gesperrt wurden. Nehmen wir es als Zeichen der Nervosität der anderen Seite, die nun schon auf vorgeblich »marode« ausländische Anlagen zurückgreift, um ihre Anhänger noch zu mobilisieren – und die auf Sachargumente offensichtlich keine andere Antwort hat als die Verbannung.

Warum sich diese Qual antun, wenn mir Musikpädagoginnen und Sozialarbeiter blöd über Kerntechnik kommen, werden sich einige fragen; sie sollten sich aber beim Einstieg in eine solche Diskussion vorher im Klaren darüber sein, dass sie hier mit einem Publikum zu tun haben, das vom Konzept der Basissicherheit von Reaktordruckbehältern noch nie gehört hat und auch nicht auf Anhieb die Abkürzung RPV versteht.

Nun sind aber unter den Besuchern und Mitgliedern solcher Foren nicht nur kampferprobte Anti-Atom-Aktivisten, sondern auch viele Unsichere und Unentschiedene. Diese Leute stellen Fragen, die sie in der Regel nicht aus dem Betriebshandbuch eines Leistungsreaktors haben, und auch nicht aus der Physikvorlesung, sondern aus ihrer Lokalpresse, deren Journalisten schon aus Geld- und Zeitmangel keinen französisch oder tschechisch geschriebenen Bericht der Atomaufsichten unserer Nachbarstaaten analysieren werden.

Solchen nach Information suchenden Leuten sollten Fachleute zur Seite springen, statt ihnen ihre Unkenntnis immer wieder aufs Butterbrot zu schmieren oder ihnen die ungelenke Sprache zum Vorwurf zu machen. Andernfalls werden diese Leute verstummen und nie wieder etwas über Kerntechnik lernen wollen. Ja, es macht Freude, sich mit anderen ohne großes Erklären zwischen YA, YP und TA oder über JEW und KBA und sogar über BRU-D* zu verständigen. Aber es ist kein Manko, nicht zu wissen, was das ist. Genauso wie Ingenieure auch nicht die Musikpädagogin fragen, bevor sie sich ihre Lieblingsgruppe auf die Ohren schalten, oder die Politologin, bevor sie sich zur Flüchtlingskrise äußern. Das alles gehört nämlich zum Kompetenzbereich von mündigen und vielfältig interessierten Erwachsenen, die sich in ihrem Leben auch mit Dingen beschäftigen, die nicht in den unmittelbaren Zuständigkeitsbereich ihrer eigenen Ausbildung fallen.

“Nuclear literacy” und Kommunikation

In der Kernenergieindustrie des englischsprachigen Auslandes gibt eine lebhafte und selbstkritische Diskussion über Akzeptanz, die eben nicht nur von der Fachkunde der Ingenieure und der Sicherheit der Anlagen abhängt, sondern auch von der Art und Weise, wie diese Fachkunde unters Volk gebracht wird, und von der Antwort auf die Frage, ob dieser Modus geeignet ist, Vertrauen zu schaffen. Dazu gehört Transparenz, Fähigkeit zur Selbstkritik und Achtsamkeit im Umgang mit Fragen, und seien sie auch noch so nervtötend. Dazu gehören auch Humor und Gewitztheit, also Dinge, die bei uns ungern in Verbindung mit Kerntechnik gebracht werden – man könnte ja unseriös scheinen, und die Grünen könnten es einem übelnehmen. Ein echter Profi sollte aber mit solchen Situationen fertigwerden und sie als wiederkehrende Prüfung seiner Kommunikationsfähigkeit verstehen.

Bei uns in Deutschland hat man diese Tatsache in der Ausbildung der Spezialisten lange vernachlässigt. Solche “soft skills” galten, weil nicht unmittelbar produktionsrelevant, als netter, aber entbehrlicher Luxus; sie wurden nie als Kernkompetenz des guten Ingenieurs angesehen. Man verließ sich lange auf die Regierung, die es schon richten würde, und auf den guten Ruf der deutschen Anlagen und die hervorragende Ausbildung der Belegschaften. Die Regierung hat die Kernenergie nach Fukushima unter Bruch von Wahlversprechen verraten; aber die Industrie hat davor nie genug getan, um die Unsicheren von der Kernenergie zu überzeugen. Sie war – obwohl sie durch Tschernobyl schon vor drei Jahrzehnten hätte gewarnt sein können – weder auf die Vertrauenskrise vorbereitet, noch war sie kommunikationsbereit. Damit meine ich nicht Werbekampagnen und die zweifelsohne nützlichen (und heute aus Spargründen fast alle geschlossenen) Infozentren, sondern einen nachhaltigen Aufbau von “nuclear literacy”, einer Art nuklearer Alphabetisierung, in der Bevölkerung.

Momentan wachsen die Zweifel an der Gangbarkeit des deutschen Energie»wende«pfades im In- und Ausland massiv. Vielleicht öffnet sich wieder ein Fenster für eine Kernenergiediskussion. Eine junge Generation wächst nach, die die Gewissheiten ihrer grünen Eltern und Lehrer in Frage stellt. Die Youtube-Generation liebt Technik – und Witz. Es gerät etwas in Bewegung. In einer solchen Situation besteht die Chance, über eine klug geführte Diskussion mit den Unentschiedenen, aber Wissbegierigen, und mit den noch (oder wieder) Unvoreingenommenen die Akzeptanz mittelfristig wiederherzustellen, die womöglich langfristig auch wieder einer Renaissance der Kernkraft in Deutschland den Weg bahnt.

Was tun?

Eine Diskussion klug zu führen, bedeutet auch, das Gegenüber prinzipiell ernst zu nehmen und auf Augenhöhe zu diskutieren. Der Stil, in dem die Diskussion geführt wird, bestimmt auch das Image der Kerntechnik. Kommt die Community als offen, selbstkritisch und lernfähig daher oder als geschlossener Verein meist männlicher Technokraten, die meinen, alle Lektionen längst gelernt zu haben? Muss man als Nuklearspezialist in Treue fest zu den Konzernen stehen, die hierzulande gerade die Kernenergie fallen lassen wie eine heiße Kartoffel – obwohl es gute Gründe für Zweifel an der Annahme gibt, dass der Primat des Shareholder Value eine günstige Rahmenvoraussetzung für den Betrieb eines Kernkraftwerks ist? Muss die Befürwortung der Kernenergie notwendigerweise bedeuten, Vorstellungen von Energie als Gemeingut zu verachten, nur weil die Grünen auch dafür sind? Sind Themen wie Ökomodernismus tabu, weil man als Kernkraftwerker das Wort »Öko« nicht in den Mund nehmen darf? Reicht in der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts, in der sich Naturwissenschaftler längst mit Citizen Science auseinandersetzen, das Expertenbild des 19. Jahrhunderts, demzufolge man dem Spezialisten einfach vertrauen solle, auch oder gerade wenn er unverständlich spricht – man solle die Sache eben jenen überlassen, die etwas davon verstehen?

Eine Diskussion klug zu führen bedeutet daher unter Umständen auch, aktuelle Themen aufzunehmen, die vor Jahrzehnten, als man selbst noch die Diskurshoheit und das Ohr der Regierenden hatte, nicht relevant waren. Es gehört dazu auch, jedwedes Argument des Gegners – auch das unsachliche – professionell zu kontern, und das wiederum heißt, Angriffe nie persönlich zu nehmen, und auch selbst nicht ad personam zu sprechen, sondern zur Sache. Es bedeutet, Information verfügbar zu machen, anstatt dem anderen aus seinem Informationsdefizit einen Strick zu drehen.

Ich weiß, dass dies nach über dreißig Jahren erbittert geführter Atomkontroverse, in der man sich auf beiden Seiten nichts geschenkt hat, einige Überwindung kostet; es hängt auch vom je eigenen Temperament ab, wie gut das gelingt. Gleichwohl kann es sich auszahlen, wenn die Unentschiedenen sehen, wie das jeweilige Konstrukt vom »Schrottreaktor« in X oder Y auf freundliche, unaufgeregte und fundierte Weise widerlegt wird.

Natürlich bleibt Polemik – im Sinne einer Kunst des temperamentvollen Streitens – auch weiterhin legitim, aber sie sollte sich nicht gegen den Schwächeren, sondern gegen den Stärkeren richten. Wir können den Minister und die Medienmacherin hart angehen, wenn sie energiepolitischen und technischen Unsinn verbreiten; allerdings sollte auch hier das Sachargument regieren und nicht die Lügenpresse- oder Ökofaschisten-Keule, die immer mal wieder ausgepackt wird.

Will man als Wissenschaftlerin, Ingenieur oder Techniker überzeugen, sollte man das tunlichst machen, ohne Beruf oder politische Orientierung des Gegenübers in den Schmutz zu ziehen; denn der Moment wird kommen, wo sich auch der Diplomingenieur außerhalb seiner Domäne äußert und dann auch nicht gern von Historikern oder Pädagogen wie ein Schuljunge zurechtgewiesen werden will. Der simple kategorische Imperativ lautet hier also, dass ich selbst so dikutieren sollte, dass mein Verhalten als Grundlage einer allgemeinen Diskussionsregel taugt.

Wem das alles zu sozialpädagogisch und verweichlicht vorkommt, dem sei gesagt, dass es nicht die technische Unzulänglichkeit unserer Kernkraftwerke war, die zum Atomausstieg geführt hat, sondern der Diskurs über unsere Kernkraftwerke. Nicht die Sicherheitstechnik hat versagt, wohl aber die Technik der Akzeptanzproduktion. Alle Weltmeistertitel haben unsere Anlagen vor dieser Schwachstelle nicht schützen können.

Akzeptanz jedoch beruht ganz wesentlich auf Kommunikationsfähigkeit, klarer Sprache und Empathie. Und wie immer in der Welt der Technik ist auch hier das Bessere der Feind des Guten, und die Fähigkeit zur Selbstreflexion der Feind der Besserwisserei, die das kurzfristige persönliche Rechtbehalten über das langfristige Wagnis des Wissenstransfers stellt.

Siehe auch

  • Kerntechnik in Deutschland: Das Versagen einer Lobby, Dr. Peter Heller, 2013-08-21, Science Skeptical Blog

* YA, YP, TA, TBA, JEW: Kürzel für Reaktor/Primärkreislauf, Druckhalter, Volumenregelsystem, Sperrwasserversorgung der Hauptkühlmittelpumpen nach den beiden gebräuchlichen Anlagen- bzw. Kraftwerks-Kennzeichnungs-Systemen bei deutschen Druckwasserreaktoren. BRU-D: Akronym für eine Hochdruck-Reduzierstation im Maschinenhaus einer russischen RBMK-Anlage, die im Dezember 2015 bei einer Störung im KKW Leningrad-2 aktenkundig wurde.


Dr. Anna Veronika Wendland

Dr. Anna Veronika Wendland arbeitet am Herder-Institut für Historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg, einem Institut der Leibniz-Gemeinschaft, und lehrt an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie schreibt ihre Habilitationsschrift zur Technik- und Sozialgeschichte der osteuropäischen Kernenergie am Beispiel einer Fallstudie in der Ukraine. Sie hat zu diesem Zweck zwischen 2013 und 2015 mehrmals für mehrere Wochen als »Teilnehmende Beobachterin« im KKW Riwne gearbeitet.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein und verschlagwortet mit Akzeptanz, Diskurs, Diskussionskultur, Energiewende, Fachleute, Hochmut, Höflichkeit, Kernenergie, Kommunikation, Kommunikationsblockaden, Kommunikationsfähigkeit, Medien, Nuclear literacy, Verunsicherung von Rainer Klute. Permanenter Link zum Eintrag.

59 Gedanken zu „Kommunikation als Kernkompetenz

  1. Jochen Michels sagte am :

    Sehr erfreulich, Frau Dr. Wendland, dass Sie sich diesem Fragekomplex so grundsätzlich nähern. Die “Schweigespirale” haben Sie sicher schon in Bezug auf Kernenergie analysiert. Vielleicht weniger die Einflüsse unserer grossen politischen Partner (USA-UK und Russland). Zumindest damals, als die Kerngegnerschaft begann. Bis zum Antrag auf Demo-Sold der Jusos im Herbst 2015 oder dem Auftritt der KK-Gegner in Jülich am 10 Juni 2014. Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, aber die Interessenlage der grossen Fossil-Energielieferanten ist nicht von der Hand zu weisen. Kennen Sie die Äusserungen dazu in der Zeitschrift Fusion von A.A. ? Kurz: ich bin sicher, dass manche mit der K-Gegnerschaft ihren Lebensunterhalt verdienen oder aufbessern. Weitere Dokumente dazu können Sie auf http://www.biokernsprit.org einsehen, Sie brauchen keinen Kostenbeitrag zu leisten, ich schalte Sie sofort frei. Beste Grüsse J.M.

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  2. Lutz Niemann sagte am :

    Da wird über Gestehungskosten von KE-Strom geredet, es fehlen aber die Zahlen. Das kann ich nachholen. Als ich vor etwa 5 Jahren Biblis besichtigen konnte, sagte man, daß der Strom in der Erzeugung 2,2ct kosten würde (die Baukosten des Kraftwerkes spielten ja keine Rolle mehr, weil abbezahlt). Man hat den Strom aber für vielleicht das Doppelte verkauft, das ergab den Gewinn der Betreibers, mit dem er wiederum andere Erzeugungsarten am Leben erhalten konnte. Ohne Gewinn funktioniert keine Wirtschaft (die Subventionen für das EEG müssen an anderen Stellen erarbeitet werden).

    Und nun die USA: Das steht immer mal wieder in der Fachzeitschrift atw, und es sind dort in der Erzeugung 1,1ct pro kWh. Immer sind EURO-ct gemeint, da geht natürlich der Kurs ein.

    In den USA ist der KE-Strom billiger, weil es dort nicht so viele unsinnige Auflagen gibt.

    Zur Sicherheit: Wenn tatsächlich einmal Radioaktivität aus einem Reaktor entweichen sollte, dann ist das für Lebewesen nicht schädlich, sondern nützlich (das steht im Nuklearia-Flyer zu „Strahlung“ sehr gut drin, Herrn Klute sei Dank dafür).

    Wenn die deutsche Politik bald zum „solaren Zeitalter“ oder „Zeitalter der Erneuerbaren“ hin will, wie es immer bei den Parteien heißt, dann sollten diese Leute auch sagen, auf welche Weise die Bevölkerung auf die dann nur noch zu ernährende Zahl von wenigen Millionen Menschen reduziert werden soll. Und dazu wird niemand eine Antwort geben.

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    • Rainer Klute sagte am :

      »Wenn tatsächlich einmal Radioaktivität aus einem Reaktor entweichen sollte, dann ist das für Lebewesen nicht schädlich, sondern nützlich.«

      Lieber Herr Niemann, das kann ich so natürlich nicht stehen lassen, und das sagt der Nuklearia-Flyer »Strahlung – Ein Blick auf die Fakten« auch nicht aus. Denn ob die Strahlung schädlich oder nützlich ist, kommt darauf an, auf Dosis und Dosisrate nämlich. Kurz gesagt: geringe Strahlung ist nützlich, hohe Strahlung ist schädlich. Um das in konkrete Zahlen zu fassen: Die Nuklearia fordert einen Grenzwert von 100 Millisievert (mSv) pro Person und Jahr. Zum Vergleich: Die Menschen in Fukushima haben meines Wissens maximal 35 mSv abbekommen. Das liegt klar im nützlichen Bereich. Hingegen waren die Evakuierungsmaßnahmen mit über 1600 Toten klar schädlich.

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  3. Achim sagte am :

    Selbst wenn das Atomverbot aufgehoben würde, würde in Deutschland niemand ein neues KKW bauen – erstens, weil es keinen Bedarf gibt (wie leiden ja schon jetzt unter Überkapazität und müssen deswegen Kraftwerke stilllegen) und zweitens, weil Atomstrom ohne staatliche Subvention (in Deutschland undenkbar) zu teuer wäre !
    Das ist allerdings für deutsche Anlagenbauer, wie Siemens, kein Grund aus der Kernenergie auszusteigen, denn in Indien, Afrika und anderen Schwellen- und Entwicklungsländern gibt es noch riesigen Bedarf ! Dort gibt es auch keine “German Angst”, sondern die nüchterne wirtschaftliche Kalkulation. Die spricht allerdings zurzeit eher für Kohlekraftwerke !
    Solange sich die Diskussion nur um Sicherheit und nicht (auch) um Wirtschaftlichkeit dreht, brauchen sich die Atomgegner keine Sorgen zu machen. Sie haben durch ihre ständigen (Nach)Forderungen nach immer mehr Sicherheit dafür gesorgt, dass Kernenergie unwirtschaftlich geworden ist. Deshalb argumentieren sie auch nicht mehr mit mangelnder Sicherheit, sondern mit Unwirtschaftlichkeit.
    Die Chinesen haben das natürlich längst erkannt und fangen an, in Fabriken transportfähige Module in Serie zu produzieren, die an der Baustelle in kürzester Zeit zusammengebaut werden. Damit erreichen sie eine Kostenreduktion und Wettbewerbsfähigkeit, mit der sie den Weltmarkt nach dem gleichen Muster erobern wie bei Solarmodule und Windrädern. Damit sind wir als Exportnation für Hochtechnologie in Sachen KKW abgemeldet !

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    • Mario Hemmerlein sagte am :

      “…und zweitens, weil Atomstrom ohne staatliche Subvention (in Deutschland undenkbar) zu teuer wäre !”

      Das ist eine Behauptung, für die Sie sicher auch mit Zahlen versehene Beweise liefern könnten. Und welche Subventionen sollen dies bitte sein? Viel eher wurde und wird die Kernkraft in Deutschland von der Politik mit der Brennelementesteuer erst künstlich teurer gemacht, damit die Erneuerbaren Energien überhaupt mehr Chancen haben.

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    • Sören Hader sagte am :

      Hallo Achim, es ist schon richtig, durch die Sicherheitsauflagen sind Kernkraftwerke teurer und unwirtschaftlicher geworden. Man könnte auch andersherum sagen, mit Absenken der Sicherheitsstandards wäre der Strom aus Kernkraftwerken wesentlich preiswerter und wirtschaftlich attraktiv. Doch da möchte ich die nicht rein rhetorische Frage stellen, wollen wir das? Wollen wir Strom, der sagen wir mal nur die Hälfte der heutigen Gestehungskosten beträgt, aber eine vielfache Wahrscheinlichkeit hat, das ein wirklich schlimmer Unfall passiert? Genau mit dieser Frage muss man sich auseinandersetzen, wenn man über eine Änderung der Sicherheitsauflagen diskutieren will.

      Ich sehe es so, dass es ein Zeichen von wirtschaftlicher Stärke ist, dass man nicht zwangsläufig auf die billigste Technologie angewiesen ist. Man lässt sich Sicherheit etwas kosten.

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  4. Lutz Niemann sagte am :

    Herr Öllerer und Herr Klute,

    es gibt belegte Zahlen zur Sicherheit, und zwar durch UNSCEAR: die Nutzung der Kerntechnik hat seit Beginn von 1945 bis 2007 durch Strahlenunfälle insgesamt 147 Todesopfer gekostet, da sind Tschernobyl und Unfälle in der Medizin mit eingeschlossen (z.B. versehentliche Bestrahlungen mit tödlicher Dosis bei der Krebsbehandlung), auch der militärische Bereich in den Anfängen. Die IAEA gibt eine etwa um 20 höhere Zahl an.

    Es gibt einen Bericht von rund 100 Seiten aus Los Alamos „A Review of Criticality Accidents“ aus dem Jahre 1967, da werden 34 Experimente beschrieben, seit Anbeginn um 1945, bei denen irgendetwas schief ging. 8 Personen sind bei diesen 34 Versuchen zu Tode gekommen. Das zeigt, daß von Anfang an die Physiker von möglichen Gefahren wussten und infolge dessen sehr vorsichtig umgingen. Mir hat das Lesen dieses Berichtes schon Freude gemacht, habe auf meine alten Tage noch mal so richtige Physik gelernt, was ich zuvor nicht kannte.

    Man vergleiche doch mal mit anderen Risiken: Durch Benutzung von Treppen und Leitern kommen jedes Jahr allein in Deutschland ca. 5000 Menschen zu Tode. Wir können weder auf Treppen und Leitern noch auf die Stromversorgung verzichten.

    Es gibt bei westlichen Reaktoren inzwischen 15 000 Reaktorbetriebsjahre, ohne daß ein Mensch einen gesundheitlichen Schaden durch das spezielle Risiko der Strahlung erlitten hätte. Und das betrifft im wesentlichen Leichtwasserreaktoren. Ich meine, das ist genug der Sicherheit.

    Und wir wissen heute sehr sicher durch das Co-60-Ereignis von Taiwan, daß Strahlung nicht schädlich ist gemäß LNT, sondern nützlich ist und ALARA falsch ist. So wie im Mittelalter die Hexen unschuldig waren für das, was ihnen angehängt worden ist, so sind heute die Strahlen unschuldig für die massenhaft berechneten hypothetischen Toten. Das Thema Radioaktivität und Gesundheit ist so ernst, wir sollten uns nun wirklich damit ernstlich befassen, und nicht den politisch verbreiteten Unsinn nachreden.

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  5. nLeser sagte am :

    Ein gutes, erfolgreiches 2016 allen Freunden der Kernenergie!

    Die von Frau Dr. Wendland dargelegte Bedeutung der Kommunikation erscheint mir außerordentlich wichtig. Für die technikbegeisterte und naturwissenschaftlich solide ausgebildete Jugend der DDR-Zeit war eine Zukunft ohne Kerntechnik, Biotechnologie oder Chemie undenkbar… Bleiben Sie gesund und guter Dinge!

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  6. Günter Braun sagte am :

    Meine Gratulation, Frau Wendland. Ihr Beitrag ist ausgedruckt, man muss ihn immer wieder Lesen und Diskussionspartnern stellenweise unter die Nase halten. Zwei Anmerkungen:
    KKW in Deutschland? Im Bericht der Ethik-Kommission steht, dass ein Monitoring gefordert wird zur Energiewende. Dies bedeutet, dass ein Soll-Ist-Vergleich bei der Energiewende stattfinden muss. Bleibt das “Ist” dem “Soll” stark zurück, müssen sich die Ziele ( u.a. die Abschaltung der deutschen KKW ) nach hinten verschieben. Darauf machte Dr. Alois Glück bei einem Vortrag in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften aufmerksam. Wenn also einige KKW länger laufen sollten, wäre dies eine Möglichkeit durch geschicktes Vorgehen ( s. oben ) die Akzeptanz zu fördern.
    Klimaandel: Der Hinweis, dass KKW Co2-frei arbeiten. ist ansich nicht falsch. Die Forderung, Kohle- und Ölkraftwerke abzuschalten ist aber deshalb sinnvoll, weil Kohle und Öl keine Brennstoffe sondern ROHSTOFFE sind. Man sehe sich die Liste der Produkte an, die die petrochemische Industrie aus ihnen herstellt.

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  7. Klaus Öllerer sagte am :

    Es hilft die beste Kommunikationsstrategie nichts, wenn die real existierende Kernenergie im Vergleich zu den Fossilien rein sachlich einfach den Kürzeren ziehen muß. Das kann sich in Zukunft vielleicht ändern, wenn ausreichend geforscht wird.

    1. Sechs Mindestanforderungen an die Kernenergie
    Leitgedanke: So sicher wie moderne Fossile Energie

    Angewandt auf die Besonderheiten der Kernenergie müssen folgende sechs Bedingungen gestellt werden, um bei einem Vergleich mit den Fossilen bestehen zu können:

    Kernenergie …
    •muss inhärent sicher sein,
    •muss eine zuverlässige Folgenbegrenzung bei Angriffen (Terror, Krieg) und Havarien haben,
    •darf nur geringe Mengen radioaktiver Abfälle hinterlassen,
    •darf keine Weiterverbreitung von Atomwaffen ermöglichen,
    •darf auch bei maximalen gesellschaftlichen Umbrüchen (Krieg, Failed State) nur geringe, begrenzte Folgen haben und
    •muss die dauerhafte Funktionssicherheit vorstehender Bedingungen im Dauerbetrieb nachgewiesen haben.

    Wird auch nur eine dieser Bedingungen nicht zuverlässig erfüllt, dann kann die reale Kernenergie keine Alternative zu den Fossilen sein. Die Risiken wären groß.

    Keine der real existierenden Kernenergietechnologien ist jedoch in der Lage alle vorstehenden Bedingungen zu erfüllen.

    Daher ist die derzeitige realexistierende Kernenergie in Sicherheitsfragen gegenüber den Fossilen ein Rückschritt und sollte bei neuen Kraftwerken nicht mehr eingesetzt werden.

    Mehr:
    http://www.klimanotizen.de/html/klima-_und_kernenergieskepsis.html

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    • Rainer Klute sagte am :

      Interessant, daß derartige Anforderungen immer nur gegenüber der Kernenergie erhoben werden! Wenn ich aber sehe, daß die Kohleverstromung 100 Todesopfer pro erzeugter Terawattstunde fordert, Kernenergie aber nur 0,04, dann ist für mich die Frage nach der Sicherheit hinreichend beantwortet. Und selbst die von der Opferbilanz her beste »erneuerbare« Energieform, Wind nämlich, kostet fast dreimal soviel Menschenleben wie Kernenergie.

      Nein, Kernkraft ist nicht zu hundert Prozent sicher. Aber sie ist sicherer als alles andere. Das sollte erstmal reichen.

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      • Klaus Öllerer sagte am :

        Das ist zu einfach gedacht, Herr Klute.

        Tote durch Kohlekraftwerke siehe Punkt 7:
        “Dabei werden jetzt Statistiken(2) in die Diskussion gebracht, bei denen die Kohle mit relativ viel angegebenen Opfern (161 Tote pro TWh) oben und die Kernenergie (0,04 Tote pro TWh) ganz unten rangiert. Klimaskeptiker haben jedoch leidvolle Erfahrungen gemacht, wie Statistiken so aufbereitet werden können, dass sie einen gewollten Eindruck hinterlassen. In diesem Fall sind die Angaben für Kohle grob irreführend, denn es sind dort Tote weltweit durch Abgase gemeint. Da alle Kohlekraftwerke in Deutschland über eine Rauchgaswäsche verfügen, sind solche Angaben irrelevant.”

        Kernenergie:
        Die Kernenergie spielt eine Schlüsselrolle beim Kernwaffenbau durch Schurkenstaaten und ist damit ein indirekter Friedensstörer erster Ordnung (Iran, Nordkorea, etc.)
        Siehe Punkt 6:
        6. KKWs sind die wichtigste Voraussetzung zur Verbreitung von Atomwaffen

        Die Verbreitung von Atomwaffen gehört zu den größten weltweiten Problemen.
        Iran, Nordkorea, Pakistan und früher der Irak, u.a. binden dabei die internationale Aufmerksamkeit und Ressourcen. Die vorhandenen oder erstrebten Atomwaffen dieser Länder verhindern langfristig Problemlösungen und sichern menschenverachtende Diktaturen. Was passiert, wenn in Pakistan die Islamisten den atomaren Bereich übernehmen? Das ist inzwischen realistisch geworden.
        Ohne die Kernenergie hätten wir diese Probleme mit der Weiterverbreitung von Atomwaffen und ihren Folgen nicht.

        Was wäre heute, wenn Syrien auch nur ein KKW hätte – was Israel verhindert hat – und dieses in die Händes des Islamischen Staates gefallen wäre?

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        • Rainer Klute sagte am :

          Lieber Herr Öllerer, wenn die einschlägigen Studien zu diesem Thema nicht in Ihr Weltbild passen, dann ist das natürlich ein Problem. Dann entsprechen entweder die Studienergebnisse nicht der Realtität oder Ihr Weltbild braucht ein Update. Das müssen Sie für sich irgendwie klarkriegen.

          Eine allgemeine Bemerkung, Studienergebnisse könnten so aufbereitet werden, daß sie den gewünschten Eindruck hinterlassen, reicht dazu allerdings nicht. Sie müssen schon nachweisen, welche Studie das wie tut. Das sollten Sie schon für sich selbst tun – um der intellektuellen Redlichkeit willen.

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          • Klaus Öllerer sagte am :

            Hallo Herr Klute,
            Sie haben sich leider meine im Bericht angegebene Quelle nicht angeschaut:

            2) Tote nach Energiearten
            Bei Kohle werden Abgastote gezählt. In Deutschland haben jedoch alle Kohlekraftwerke eine Rauchgaswäsche.
            http://nextbigfuture.com/2011/03/deaths-per-twh-by-energy-source.html

            Dort ist nach WHO-Angaben von Abgastoten die Rede. Dort sind auch die Zahlen aufgeführt, die zu 161 Toten pro Twh führen.
            Das sind Zahlen, die nichts mit der deutschen Kohlenutzung in Kraftwerken zu tun haben und daher irreführend sind.

          • Rainer Klute sagte am :

            Selbstverständlich sind die Toten durch Emissionen mitzuzählen! Die deutschen Kohlekraftwerke spielen global gesehen allerdings keine große Rolle. Gleiches gilt für den deutschen Atomausstieg.

          • Klaus Öllerer sagte am :

            Kohletote, Ihr Beitrag
            9. Januar 2016 um 16:51 :

            Zitat: “Selbstverständlich sind die Toten durch Emissionen mitzuzählen! …”

            Wie kommen Sie eigentlich dazu die Kohletoten durch offenes Feuer, Herdfeuer, Wohnungsheizungen, etc., etc. mitzuzählen, wenn es darum geht über die zukünftige Kohlenutzung nach deutschem Standard zu entscheiden.
            Deutsche Kohlekraftwerke haben so gut wie keine Toten zur Folge.
            Diese Kohlekraftwerke sind sicherer als die real existierende Kernenergie.
            Warum sollten wir uns also für diese real existierende Kernenergie entscheiden?

          • Rainer Klute sagte am :

            Nein, Herr Öllerer, die von Ihnen genannten Kohletoten sind nicht mitgezählt. Es geht nur um die Stromerzeugung.

            Ich möchte die Diskussion hier beenden, da ich den Eindruck habe, daß alle relevanten Argumente genannt sind.

          • Klaus Öllerer sagte am :

            Hallo Herr Klute,
            Sie schreiben, 10. Januar 2016 um 13:58,

            Zitat: : “Nein, Herr Öllerer, die von Ihnen genannten Kohletoten sind nicht mitgezählt. Es geht nur um die Stromerzeugung.”

            Antwort:
            Das ist nicht richtig wie Sie auf der von mir angegebenen Seite lesen können.
            Auszug:
            “Coal (elect, heat,cook –world avg) 100 (26% of world energy, 50% of electricity)
            Coal electricity – world avg 60 (26% of world energy, 50% of electricity)”

            Das ergibt 160 Kohletote weltweit inkl. Kochen und Heizen nach nichtdeutschem Standard.
            Die deutschen Kohlekraftwerke dürften aufgrund der Rauchgaswäsche kaum Tote erzeugen und sich dadurch für einen weiteren Ausbau empfehlen.

            Damit höre ich jetzt auch auf. Die Struktur hier zum diskutieren ist unterirdisch.

            Beste Grüße
            Klaus Öllerer
            klaus.oellerer@oellerer.net

        • Rainer Klute sagte am :

          Ach, noch zum Thema Proliferation. Kurz gesagt braucht man zur Gewinnung waffenfähigen Materials andere Reaktortypen als zur Stromerzeugung. Zivile Reaktoren stehen zudem unter den IAEA Safeguards. Oder sind Pkw und Panzer dasselbe, weil sie ja beide aus Stahl gefertigt werden?

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          • Klaus Öllerer sagte am :

            Hallo Herr Klute,
            die Proliferation lief bisher in allen kritischen Ländern ab wie folgt:
            1. Aufbau eines mehr oder weniger offenen zivilen Kernenergieprogrammes.
            Dadurch wird/wurde eine materielle und geistige Infrastruktur geschaffen.
            2. Aufbau einer Schattenstruktur, die der internationalen Öffentlichkeit verborgen bleiben soll.
            3. Entwicklung eines verborgenen Kernwaffenprogrammes.

            Ohne ziviles Kernenergieprogramm wäre es gar nicht möglich das Atomwaffenprogramm zu verstecken. Allein der Aufbau des Fachpersonals ohne ziviles Programm wäre gar nicht möglich.

            Oder sehen Sie das anders?

          • Rainer Klute sagte am :

            Das sehe ich bzw. die Geschichte in der Tat anders. Zwei »kleine« Gegenbeispiele: die USA und die Sowjetunion. Beide Länder hatten lange vor ihrem jeweils ersten zivilen Kernkraftwerk erfolgreich Atombomben gezündet.

            Militärische und zivile Nutzung von Nukleartechnik sind völlig unabhängig voneinander realisierbar.

            Zum »Verstecken« militärischer Nutzung in zivilen Projekten hatte ich bereits auf die IAEA Safeguards hingewiesen.

          • Klaus Öllerer sagte am :

            Ich kann Ihre letzten Antworten von heute 16:51 und 16:55 nicht direkt kommentieren, Herr Klute.

            Die Kommentarfunktion fehlt.
            Gibt es dafür einen Grund?

          • Rainer Klute sagte am :

            Hm, ich vermute einen Darstellungsfehler ab einer bestimmten Diskussionstiefe. Wir sollten wohl mal das Design wechseln.

          • Klaus Öllerer sagte am :

            Ich antworte dann mal hier, wo es noch geht.

            Proliferation, Ihr Beitrag vom
            9. Januar 2016 um 16:55 :
            Zitat: “Zum »Verstecken« militärischer Nutzung in zivilen Projekten hatte ich bereits auf die IAEA Safeguards hingewiesen.

            Das ist ja genau das, was ich angeführt habe. Erst die zivile Nutzung der Kernenergie öffnet die Tore zur Atombombe und hatte auch alle bisher diesbezüglichen internationalen Konflikte zur Folge.
            Ohne die Kernenergie wären diese kritischen Länder nie soweit gekommen bzw. hätten wegen Aussichtslosigkeit gar nicht erst angefangen..
            Sie sollten diese Zusammenhänge redlicherweise anerkennen.
            Die Faktenlage ist eindeutig.

          • Rainer Klute sagte am :

            Auch hier möchte ich die Diskussion gern beenden – oder Sie bitten, inhaltlich auf meine Argumente einzugehen.

        • RRMeyer sagte am :

          “Ohne die Kernenergie hätten wir diese Probleme mit der Weiterverbreitung von Atomwaffen und ihren Folgen nicht.”
          Es ist naiv anzunehmen, der Ausstieg aus der Kernenergie wuerde auch Atomwaffen aus der Welt schaffen.
          Israel und Nordkorea haben keine KKW, aber Atombomben.
          USA, Russland, Grossbritannien und Frankreich hatten alle die Bombe schon, bevor sie auch nur eine KWh Atomstrom erzeugt haben.
          Iran hat zwar ein KKW (Bushehr), aber die Brennelemente dafuer kommen fertig aus Russland.
          Weder mit Plutoniumproduktion, noch mit dem Anreicherungsprogramm hat Bushehr irgend etwas zu tun.
          KKW sind fuer Staaten, die Atomwaffen wollen, weder notwendig, noch hinreichend.

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          • Atomhoernchen sagte am :

            Außerdem existierten Kernbomben *bevor* es Kernkraftwerke gab. Das erste Kernkrafwerk zur Stromerzeugung, Obninsk in der UdSSR, ging 1954 ans Netz, lang nach Hiroshima und Nagasaki.

            Kernbomben kann man auch mit U235 herstellen, einem natürlichen Isotop. Um es zu gewinnen braucht es überhaupt keinen Reaktor.

            Die meisten Kernwaffen enthalten jedoch Pu239. Es aus den Brennelementen kommerzieller Leistungsreaktoren zu gewinnen wäre prinzipiell möglich, aber äußerst umständlich. Alle Länder, die Kernwaffen herstellen, nutzen spezielle militärische Reaktoren zur Plutoniumgewinnung. Von der kommerziellen Energieerzeugung ist dies völlig abgekoppelt. Einzige Ausnahme war das sowjetische RBMK-Sytsem (der aus Tschernobyl bekannte Druckröhrenreaktor), der einzige Reaktor den es je gab der Dual-Purpose war, also sowohl Strom erzeugen wie Plutonium für das Militär erbrüten sollte.

            Zuletzt: Kernwaffen schafft man nicht aus der Welt indem man die Kernkraftwerke abschaltet. Im Gegenteil — die Bomben lassen sich nur endgültig unschädlich machen, indem man das enthaltene Plutonium in einem Reaktor spaltet, wie es im Rahmen von “Megatons to Megawatts” bereits getan wurde.

          • RRMeyer sagte am :

            Kurze Korrektur zum Beitrag von Atomhoernchen: Es gibt auch andere Leistungsreaktoren die sich zum Erbrueten von Waffentauglichem Plutonium eignen. Dazu ist es vor allem noetig, Brennelemente im Betrieb auszutauschen. Dies geht beispielsweise in den Britischen Magnox (graphit moderiert und gasgekuehlt) und in Calder Hall (erster westliche kommerzielle Leistungsreaktor) wurde tatsaechlich Waffenplutonium erbruetet.
            Auch Schwerwasserreaktoren vom typ Candu sind geeignet.

  8. Dr. Hermann Hinsch sagte am :

    Zu “Johannes”: Nein, ich bin nicht Mitglied. Da ich aber in diesem Jahr eine andere Vereins-Mitgliedschaft aufgebe, hatte ich schon überlegt, ob ich nicht bei “Nuklearia” die Mitgliedschaft beantragen sollte.
    Selbstverständlich muß der Vorstand auswählen, was veröffentlicht werden soll oder nicht. Wenn das aber ganz streng dogmatisch erfolgt (Johannes: “Nicht auf einer Plattform, die ich finanziell und durch meine persönliche Empfehlung unterstütze”), d. h. daß ich nie hoffen kann, daß mal ein unzensierter Beitrag von mir erscheint, dann lasse ich das mit der Mitgliedschaft. Für EIKE ist unser Thema nur eine Nebensache, trotzdem haben die schon viel von mir gebracht, unverändert.
    Den Artikel von Frau Wendland halte ich, wie schon gesagt, für sehr gut. Aber ist das nun die reine Wahrheit, die niemand anzweifeln darf? Es fehlt ein Gradmesser für den Erfolg. Was alles nicht funktioniert, habe ich während meiner Tätigkeit auf der “Asse” erlebt. Drei Profis machten Öffentlichkeitsarbeit, Woche für Woche wurden 50 und mehr Besucher durch das Bergwerk geführt, auf der Regionalmesse “Harz und Heide” hatten wir immer einen sehr schönen Stand, zu dem viele Besucher kamen. Und doch wurde es für die Öffentlichkeit die “marode Asse”.